Informationen1. September 2017· 6 Min. Lesezeit

Wann mit der Rehabilitation nach einem Schlaganfall beginnen und wie?

Neurologisches Rehabilitationszentrum NORMAN

Therapieergebnisse

Patienten sprechen über uns

Wann mit der Rehabilitation nach einem Schlaganfall beginnen

Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall sollte so früh wie möglich aktiviert werden. Voraussetzung dafür, dass dieser Prozess in Gang gesetzt werden kann, sind normalisierte Vitalparameter. Die Entscheidung über den Beginn der Rehabilitation trifft der Arzt.

Ein rascher Beginn der Rehabilitation aktiviert den Patienten besser für seine weitere Genesung und wirkt sich positiv auf die Motivation aus, weiter an sich zu arbeiten. Eines der grundlegenden Ziele der frühen Mobilisierung ist zudem die Vorbeugung von Komplikationen, die aus einer zu langen Immobilisierung des Betroffenen entstehen.

  • Die Entstehung pathologischer Bewegungsmuster.
  • Gelenkkontrakturen.
  • Pulmonologische sowie psychologische Probleme, die aus dem Gefühl der Ohnmacht und Nutzlosigkeit des Betroffenen entstehen.

In der Anfangsphase nach einem Schlaganfall konzentrieren wir uns auf die grundlegenden Funktionen. Patienten haben häufig Probleme beim Schlucken, und ihre Atemleistung ist mitunter vermindert. Deshalb lohnt es sich, neben der standardmäßigen Rehabilitation frühzeitig eine Therapie der Schluck- und Sprachstörungen einzuleiten, die von einer Neurologopädin durchgeführt wird.

Schluckprobleme können zu Mangelernährung und einer Schwächung des gesamten Organismus führen, was den Rehabilitationsprozess verlängert und seine Qualität mindert.

Sehr wichtig ist der häufige, am besten alle 2–3 Stunden vorgenommene Wechsel der Lagerungspositionen des Patienten. Dies begrenzt die Festigung pathologischer Bewegungsmuster und hilft, die Ausbildung des Muskeltonus zu beeinflussen, die für die weitere Rehabilitation von großer Bedeutung ist.

Zu Beginn bringen wir dem Patienten grundlegende Tätigkeiten wieder bei: das Sitzen, das Aufstehen, das Drehen auf die Seite, das Ankleiden, die Körperpflege und schließlich das Gehen sowie das Halten des Gleichgewichts von Grund auf. Die frühe Vertikalisierung hat eine sehr große Bedeutung, wenngleich die Entscheidung über ihren Beginn stets der Arzt trifft.

Früh vertikalisierte Patienten haben in der Regel weniger Probleme mit einem pathologisch erhöhten Muskeltonus sowie mit Kontrakturen in der späteren Phase der Mobilisierung.

Wichtige Regeln in der ersten Phase der Rehabilitation

  • Man sollte nicht an den gelähmten Gliedmaßen ziehen, denn ihre Muskeln sind sehr schwach, und eine zusätzliche Dehnung kann zu einer gefährlichen Subluxation des Gelenks führen.
  • Wenn möglich, sollte der Patient die Mahlzeiten in sitzender und nicht in liegender oder halbsitzender Position einnehmen, da dies das Schlucken erleichtert.
  • Der Patient sollte die krankenhausüblichen Bettgalgen nicht nutzen, da diese die korrekte Muskelarbeit stören und ungünstige Bewegungsgewohnheiten festigen.
  • Die gelähmte obere Extremität sollte nicht passiv herabhängen, da ihr Gewicht und die Wirkung der Schwerkraft die Schulter, die Bänder, die Nerven sowie die Muskeln belasten.

In der Anfangsphase sollte der Patient eine Antidekubitusmatratze verwenden, doch nachdem er den Positionswechsel erlernt hat, sollte sie abgesetzt werden, um den Betroffenen nicht an ein langes Verweilen in einer Position zu gewöhnen und die Wahrnehmungs- sowie räumlichen Orientierungsprobleme nicht zu vertiefen.

Wichtig ist auch die pulmonologische Rehabilitation als Vorbeugung von Bronchitis und Lungenentzündung. In der ersten Phase sollte der Rücken des Patienten häufig abgeklopft werden, um eine Ansammlung von Sekret zu verhindern. Der Wechsel der Positionen und die Vertikalisierung unterstützen zusätzlich die Vorbeugung von Atemwegskomplikationen.

Nach einem Schlaganfall verläuft jeder Rehabilitationsprozess anders. Vieles hängt von der Lokalisation und dem Ausmaß der Hirnschädigung sowie von der Zeit ab, die vom Auftreten der Symptome bis zum ärztlichen Eingreifen vergangen ist. Mehr dazu, worauf in der frühen Phase der Mobilisierung zu achten ist, schreiben wir in einem gesonderten Artikel. Die kompensatorische Plastizität des Gehirns kann mitunter sehr rasch Ergebnisse bringen, in anderen Fällen erfordert sie eine längere, systematische Arbeit.

Das erste Jahr nach einem Schlaganfall ist ein entscheidender Zeitraum, denn dann bildet der Patient die Bewegungsmuster aus, die im weiteren Funktionieren genutzt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Besserung nach einem Jahr aufhört. Eine systematische Rehabilitation, etwa im Rahmen intensiver neurologischer Rehabilitationsaufenthalte, kann ein Leben lang Nutzen bringen, wenngleich sich die größte Intensität der Mobilisierung gerade zu Beginn nutzen lässt. Deshalb sollte ein Patient nach einem Schlaganfall an 5–6 Tagen in der Woche rehabilitiert werden, um die Therapieergebnisse zu maximieren.

Lesen Sie auch

Informationen5. Oktober 2024

Sprachverlust nach einem Schlaganfall. Aphasie und die Rolle des Logopäden in der Therapie.

Die Aphasie nach einem Schlaganfall ist der Verlust der Fähigkeit, Sprache zu verstehen und zu bilden. Wir erklären die Aphasieformen, die Rolle des Logopäden und die Richtungen der Rehabilitation.

Weiterlesen

Informationen6. September 2023

Kann jeder Schlaganfall-Patient rehabilitiert werden?

Ob eine Rehabilitation nach einem Schlaganfall möglich ist, hängt vom Gesundheitszustand des Patienten, der seit dem Ereignis vergangenen Zeit und der richtigen Wahl der Therapie ab. Wir erklären, wann eine Rehabilitation möglich ist und wie man den passenden Behandlungsweg findet.

Weiterlesen

Informationen6. September 2023

Wann sollte die Rehabilitation nach einem Schlaganfall beginnen?

Die frühe Rehabilitation nach einem Schlaganfall beginnt in der Regel bereits auf der neurologischen Station, doch ihr Umfang und ihr Tempo hängen stets vom Zustand des Patienten und von der Entscheidung des Arztes ab.

Weiterlesen

Informationen1. September 2023

Schlaganfall – Hirnareale und Folgen der Hirnschädigung.

Das Gehirn ist der Ursprung unserer Identität, unseres Verstandes und unserer Gefühle. Hier finden Sie einen kurzen Wegweiser durch die Hirnareale und die Defizite, die durch ihre Schädigung infolge eines ischämischen Schlaganfalls entstehen.

Weiterlesen

Informationen6. August 2023

Schlaganfall – Emotionen, Stimmung, Depression

Ein Schlaganfall kann Hirnstrukturen schädigen, die für die Regulation von Emotionen und Stimmung zuständig sind. Deshalb können nach dem Ereignis Depression, Angst, Motivationsprobleme sowie Schwierigkeiten in der Rehabilitation auftreten.

Weiterlesen

Informationen4. August 2023

Schlaganfall: Symptome – wie erkennen und wie reagieren?

Das schnelle Erkennen der Schlaganfall-Symptome und der sofortige Notruf können Leben retten und das Risiko bleibender Komplikationen verringern.

Weiterlesen

Informationen7. Juni 2023

Rückenmarksverletzung und Rückenmarksinfarkt. Was ist der Unterschied?

Rückenmarksverletzung und Rückenmarksinfarkt sind zwei unterschiedliche Erkrankungen mit verschiedener Ursache, Prognose und möglichen Defiziten. Wir erklären die grundlegenden Unterschiede und die typischen Folgen einer Rückenmarksschädigung.

Weiterlesen

Informationen18. August 2020

Die 10 häufigsten Fehler von neurologischen Physiotherapeuten.

Karolina Łozińska beschreibt die häufigsten Fehler in der neurologischen Therapie sowie Arbeitsprinzipien, die helfen, sie zu vermeiden.

Weiterlesen

Informationen29. Juni 2020

Gedächtnisverlust nach einem Schlaganfall. Womit ist er verbunden und was kann helfen?

Der Gedächtnisverlust nach einem Schlaganfall kann Schwierigkeiten beim Erinnern von Wörtern, beim Erkennen von Orten und beim Erlernen neuer Dinge umfassen. Wir erklären, was im Alltag und in der Therapie helfen kann.

Weiterlesen

Der nächste Schritt

Sprechen Sie mit uns

Wir stehen Ihnen bei allen Fragen zum Rehabilitationsprozess gern zur Verfügung.

Beschreiben Sie Ihren Fall

Senden Sie uns Einzelheiten zum Gesundheitszustand, und wir beurteilen die Situation aus therapeutischer Sicht.

Beratung per E-Mail

Schreiben Sie uns und beschreiben Sie die Erkrankung sowie den aktuellen Gesundheitszustand. Wir teilen Ihnen mit, wie wir Ihre Situation im Hinblick auf die Rehabilitation einschätzen.

Video des Patienten

Sie können uns ein Video senden, das den Gesundheitszustand des Patienten zeigt. Wir gehen auf Ihre aktuelle Situation ein und erläutern die therapeutischen Möglichkeiten.