Neuropsychologische Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Wie kann sie helfen?
Aleksandra Mielnik
Therapieergebnisse
Patienten sprechen über uns

Wenn wir über die Folgen eines Schlaganfalls sprechen, denken wir meist an motorische Einschränkungen, also Paresen, sowie an Sprachstörungen. Für diese Probleme gibt es in Polen einen vergleichsweise breiten Zugang zu verschiedenen Therapieformen, wie der Sprachrehabilitation nach einem Schlaganfall, Rehabilitationsaufenthalten oder der individuellen Arbeit mit einem Physiotherapeuten.
Deutlich weniger Aufmerksamkeit wird den Störungen der kognitiven Funktionen geschenkt. Sie sind weniger sichtbar als Bewegungsdefizite, können das tägliche Leben eines Menschen nach einem Schlaganfall jedoch erheblich einschränken. In solchen Situationen wird die neuropsychologische Rehabilitation zu einem wichtigen Bestandteil des Genesungsprozesses.
Zu den kognitiven Prozessen gehören unter anderem die visuelle und auditive Wahrnehmung, die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, das Denken, die sprachlichen Funktionen, die exekutiven Funktionen sowie die kognitive Kontrolle. All diese Bereiche werden für ein normales tägliches Leben benötigt und sind selbst an sehr einfachen Tätigkeiten beteiligt.
Infolge eines Schlaganfalls kann es zu einer Schwächung eines oder mehrerer dieser Prozesse kommen. Mit der Feststellung, was gestört ist, in welchem Ausmaß und wie sich die Wiederherstellung der verlorenen Funktionen unterstützen lässt, befasst sich ein Psychologe, insbesondere ein Neuropsychologe.
Art und Ausmaß der Defizite nach einem Schlaganfall
Art und Ausmaß der infolge eines Schlaganfalls auftretenden Defizite hängen von vielen Faktoren ab, unter anderem von der Lokalisation des Schlaganfalls, der Zahl vorangegangener Schlaganfälle sowie vom Alter des Betroffenen. Zu den am häufigsten beobachteten kognitiven Störungen gehören:
- Aufmerksamkeitsstörungen, also eine geringere geteilte Aufmerksamkeit, eine verkürzte oder übermäßig verlängerte Konzentrationsdauer sowie eine erhöhte Ablenkbarkeit.
- Störungen der Gedächtnisfunktionen, darunter Schwierigkeiten, sich neue Informationen zu merken, bereits bekannte Inhalte abzurufen oder neue Tätigkeiten zu erlernen. Ausführlicher schreiben wir darüber, womit der Gedächtnisverlust nach einem Schlaganfall verbunden ist, in einem gesonderten Beitrag.
- Wahrnehmungsstörungen, also Schwierigkeiten, bekannte Gegenstände auf visuellem, auditivem oder taktilem Weg zu erkennen, obwohl das Sinnesorgan nicht geschädigt ist.
- Störungen der sprachlichen Funktionen, meist aphasischer Art nach Schädigungen der linken Hirnhälfte, aber auch möglich nach rechtsseitigen Schlaganfällen, zum Beispiel Schwierigkeiten, Metaphern und Humor zu verstehen.
- Störungen der Selbstkontrolle.
Damit sind noch nicht alle möglichen Veränderungen erfasst. Kognitive Störungen können auch mit Veränderungen der Persönlichkeit, des Verhaltens sowie mit Stimmungsschwankungen einhergehen, sowohl in Richtung einer übermäßigen Absenkung als auch einer Anhebung, bis hin zur Depression nach einem Schlaganfall.
Womit kann der Patient beim Neuropsychologen rechnen?
Ein Mensch nach einem Schlaganfall, der zum Neuropsychologen kommt, kann mit einer genauen Diagnostik der kognitiven Funktionen rechnen. Eine solche Beurteilung erlaubt es, die Stärken des Patienten zu bestimmen, geschädigte Bereiche zu erkennen und deren Ausmaß festzustellen.
Auf der Grundlage einer gut durchgeführten Diagnostik lässt sich das weitere therapeutische Vorgehen planen, also der Ablauf einer neuropsychologischen Rehabilitation, die auf den einzelnen Patienten abgestimmt ist.
Was ist eine neuropsychologische Rehabilitation?
Die neuropsychologische Rehabilitation umfasst Maßnahmen, die einem Menschen nach einem Schlaganfall helfen sollen, ein möglichst hohes Maß an Selbstständigkeit zurückzugewinnen und in den Alltag, auch in den Beruf, zurückzukehren. Dabei wird die natürliche Plastizität des Gehirns genutzt, indem die Prozesse, die für die Wiederherstellung der verlorenen Funktionen verantwortlich sind, gezielt stimuliert werden.
Gleichzeitig lernt der Patient Strategien, um dauerhafte Defizite auszugleichen, indem er die Prozesse, die nicht beeinträchtigt sind, besser nutzt. Ein Beispiel dafür ist das stärkere Stützen auf auditive Informationen, wenn die visuelle Wahrnehmung gestört ist.
Im Verlauf der Rehabilitation werden Materialien verwendet, die an die Bedürfnisse und Möglichkeiten des Patienten angepasst sind, wobei ihr Schwierigkeitsgrad allmählich gesteigert wird. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität sowie die bestmögliche Anpassung an ein alltägliches, möglichst selbstständiges Leben.
Die neuropsychologische Rehabilitation ist oft ein unverzichtbarer Bestandteil der Genesung nach einem Schlaganfall, und es ist gut, wenn sie Teil umfassenderer neurologischer Rehabilitationsprogramme ist, denn Störungen der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses oder des Verständnisses können auch die Bewegungsrehabilitation erschweren. Der Patient hat möglicherweise Schwierigkeiten, sich Anweisungen zu merken, die Ausführung von Übungen zu erlernen oder längere Mitteilungen zu verstehen. Deshalb sind Übungen der kognitiven Funktionen manchmal notwendig, damit der Betroffene auch von der Bewegungstherapie voll profitieren kann.
Lesen Sie auch
Sprachverlust nach einem Schlaganfall. Aphasie und die Rolle des Logopäden in der Therapie.
Die Aphasie nach einem Schlaganfall ist der Verlust der Fähigkeit, Sprache zu verstehen und zu bilden. Wir erklären die Aphasieformen, die Rolle des Logopäden und die Richtungen der Rehabilitation.
Weiterlesen →
Kann jeder Schlaganfall-Patient rehabilitiert werden?
Ob eine Rehabilitation nach einem Schlaganfall möglich ist, hängt vom Gesundheitszustand des Patienten, der seit dem Ereignis vergangenen Zeit und der richtigen Wahl der Therapie ab. Wir erklären, wann eine Rehabilitation möglich ist und wie man den passenden Behandlungsweg findet.
Weiterlesen →
Wann sollte die Rehabilitation nach einem Schlaganfall beginnen?
Die frühe Rehabilitation nach einem Schlaganfall beginnt in der Regel bereits auf der neurologischen Station, doch ihr Umfang und ihr Tempo hängen stets vom Zustand des Patienten und von der Entscheidung des Arztes ab.
Weiterlesen →
Schlaganfall – Hirnareale und Folgen der Hirnschädigung.
Das Gehirn ist der Ursprung unserer Identität, unseres Verstandes und unserer Gefühle. Hier finden Sie einen kurzen Wegweiser durch die Hirnareale und die Defizite, die durch ihre Schädigung infolge eines ischämischen Schlaganfalls entstehen.
Weiterlesen →
Schlaganfall – Emotionen, Stimmung, Depression
Ein Schlaganfall kann Hirnstrukturen schädigen, die für die Regulation von Emotionen und Stimmung zuständig sind. Deshalb können nach dem Ereignis Depression, Angst, Motivationsprobleme sowie Schwierigkeiten in der Rehabilitation auftreten.
Weiterlesen →
Schlaganfall: Symptome – wie erkennen und wie reagieren?
Das schnelle Erkennen der Schlaganfall-Symptome und der sofortige Notruf können Leben retten und das Risiko bleibender Komplikationen verringern.
Weiterlesen →
Rückenmarksverletzung und Rückenmarksinfarkt. Was ist der Unterschied?
Rückenmarksverletzung und Rückenmarksinfarkt sind zwei unterschiedliche Erkrankungen mit verschiedener Ursache, Prognose und möglichen Defiziten. Wir erklären die grundlegenden Unterschiede und die typischen Folgen einer Rückenmarksschädigung.
Weiterlesen →
Die 10 häufigsten Fehler von neurologischen Physiotherapeuten.
Karolina Łozińska beschreibt die häufigsten Fehler in der neurologischen Therapie sowie Arbeitsprinzipien, die helfen, sie zu vermeiden.
Weiterlesen →
Gedächtnisverlust nach einem Schlaganfall. Womit ist er verbunden und was kann helfen?
Der Gedächtnisverlust nach einem Schlaganfall kann Schwierigkeiten beim Erinnern von Wörtern, beim Erkennen von Orten und beim Erlernen neuer Dinge umfassen. Wir erklären, was im Alltag und in der Therapie helfen kann.
Weiterlesen →
Der nächste Schritt
Sprechen Sie mit uns
Wir stehen Ihnen bei allen Fragen zum Rehabilitationsprozess gern zur Verfügung.
Beschreiben Sie Ihren Fall
Senden Sie uns Einzelheiten zum Gesundheitszustand, und wir beurteilen die Situation aus therapeutischer Sicht.
Beratung per E-Mail
Schreiben Sie uns und beschreiben Sie die Erkrankung sowie den aktuellen Gesundheitszustand. Wir teilen Ihnen mit, wie wir Ihre Situation im Hinblick auf die Rehabilitation einschätzen.
Video des Patienten
Sie können uns ein Video senden, das den Gesundheitszustand des Patienten zeigt. Wir gehen auf Ihre aktuelle Situation ein und erläutern die therapeutischen Möglichkeiten.