Häufige Fehler von Patienten und Angehörigen in der Rehabilitation nach einem Schlaganfall.
Karolina Łozińska
M.Sc.
Therapieergebnisse
Patienten sprechen über uns

Schlaganfall: Erkrankung, Urteil, Ende des normalen Lebens. Das sind die drei Aussagen, die ein Therapeut während der Behandlung am häufigsten von der Familie hört, die von einer neurologischen Erkrankung betroffen ist. Patienten, die eine Rehabilitation nach einem Schlaganfall beginnen, erwarten, dass die Folgen des Schlaganfalls schnell, schmerzlos und nach der ersten Therapieeinheit verschwinden. So verhält es sich jedoch nicht: Die Genesung nach einem Schlaganfall ist ein Prozess, der nicht nur von Erfolgen, sondern auch von Fehlern der Patienten und Therapeuten geprägt ist, die diesen Prozess verlängern können. Im Folgenden möchte ich die wichtigsten davon aufführen.
Fehler 1: Die Rehabilitation findet nur während der Einheiten mit dem Physiotherapeuten statt
Die Rehabilitation läuft die ganze Zeit. Jede selbstständige Tätigkeit, die der Patient ausführt, ist Teil der Therapie zur Wiedererlangung der Selbstständigkeit nach einem Schlaganfall. Schon in den ersten Tagen nach dem Schlaganfall gilt es, sich immer wieder an die betroffene Seite zu erinnern und sie so oft wie möglich zu bewegen.
Fehler 2: Erholung nach den Einheiten bedeutet, bewegungslos im Bett zu liegen
Erholung während einer intensiven neurologischen Therapie bedeutet nicht Untätigkeit. Sie besteht vor allem aus Schlaf, ausgewogener Ernährung und Regeneration. Ständiges bewegungsloses Liegen begünstigt Passivität. Auch außerhalb der Einheiten sollte die Position des Patienten verändert und das Nervensystem angeregt werden, um ungenutzte Hirnbereiche zu aktivieren.
Fehler 3: Ich gebe auf, wenn eine Übung nicht gelingt
Das ist einer der häufigsten Fehler. Ein misslungener erster Versuch bedeutet nicht, dass die Aufgabe unlösbar ist. In der neurologischen Therapie kommt es auf Entschlossenheit, weitere Versuche und die Analyse der Bewegungsqualität an – und nicht auf ein schnelles Aufgeben nach dem ersten Misserfolg.
Fehler 4: Ich halte den gelähmten Arm ständig an den Körper gedrückt
Wird der gelähmte Arm zu häufig vom gesunden Arm festgehalten, schränkt das seine natürliche Einbindung in die Bewegung ein, was bei der Handrehabilitation nach Schlaganfall zum Problem werden kann. Abgesehen von Situationen, die einen besonderen Schutz der Schulter erfordern, sollte die Extremität selbstständig eingesetzt werden und aktiv an den Übungen sowie an der täglichen Bewegung teilnehmen dürfen.
Fehler 5: Ich behandle die gelähmte Seite so, als würde sie nicht existieren
Patienten verzichten oft darauf, die betroffene Seite zu benutzen, weil es ihnen leichter fällt, in einem pathologischen Bewegungsmuster zu funktionieren. Das ist ein Fehler. Eine richtig geführte Therapie zeigt, dass jede zurückgewonnene Funktion der gelähmten Seite die Bewegungsökonomie verbessert und einem natürlicheren Funktionieren näherbringt.
Fehler 6: Nach den Einheiten wiederhole ich eine Übung 100 Mal, um schneller wieder fit zu werden
Das Nervensystem braucht Stimulation, doch ein Übermaß an zufälligen Wiederholungen beschleunigt die Rückkehr zur Funktionsfähigkeit nicht. Vielmehr kann es zu Ermüdung und Demotivation führen. Es ist besser, weniger Bewegungen bewusst und präzise auszuführen als sehr viele ohne Kontrolle der Qualität.
Fehler 7: Ich benutze den gelähmten Arm bei den täglichen Verrichtungen nicht
Der Arm sollte nicht nur während der Therapieeinheiten stimuliert werden, sondern auch beim Essen, Anziehen, bei der Arbeit am Computer und bei häuslichen Tätigkeiten. Viele Patienten fragen sich, wann die Handfunktion nach einem Schlaganfall zurückkehrt, und selbst kleine Versuche, ihn in den Alltag einzubeziehen, sind Teil der Therapie.
Fehler 8: Ich gehe schnell und achte nicht auf die Gangqualität
Nach einem Schlaganfall muss man das Tempo verlangsamen und die Art, wie man Schritte setzt, bewusst beobachten, denn Gang- und Gleichgewichtsstörungen gehören zu den häufigen Folgen eines Schlaganfalls. Weist ein Bein ein Defizit auf, sollte man besonders auf seine Arbeit achten, einschließlich des Fersenkontakts mit dem Boden und eines möglichst symmetrischen Gangmusters.
Fehler 9: Ich setze mich achtlos hin, weil das keine Rolle spielt
Jede Bewegung hat einen therapeutischen Wert. Der Patient sollte darauf achten, wie er sich dreht, hinsetzt, aufsteht und geht. Sogar das Hinsetzen sollte möglichst genau und mit einer kontrollierten Belastung beider Gesäßhälften erfolgen.
Fehler 10: Ich kaufe gedankenlos immer neue Orthesen, weil es jemand so empfohlen hat
Patient und Angehörige sollten Empfehlungen hinterfragen und ihren Sinn prüfen. Was bei einer Person wirkt, muss für eine andere nicht geeignet sein. Die Auswahl orthopädischer Hilfsmittel sollte durchdacht und auf den tatsächlichen Bedarf des Patienten abgestimmt sein.
Fehler 11: Ich mache die Übungen schnell, nur um fertig zu werden
In der Neurologie zählt vor allem nicht die Menge, sondern die Qualität der Übungsausführung – daran lohnt es sich zu denken, wenn man auch die häufigsten Fehler von neurologischen Physiotherapeuten kennenlernt. Selbst wenn der Patient die Therapiedauer nicht verlängern möchte, sollte er verstehen, dass ein korrektes Bewegungsmuster wertvoller ist als das hastige Abhaken weiterer Wiederholungen.
Fehler 12: Da ich schon gehen kann, fahre ich trotzdem überall mit dem Rollstuhl, um mich nicht zu überanstrengen
Wenn der Patient in den Einheiten gehen kann und vom Therapeuten darauf vorbereitet wird, lohnt es sich, ihn wenigstens einen Teil der Schritte auch außerhalb des Therapieraums gehen zu lassen. Nur dann beginnt sich das Therapieziel auf das reale Alltagsleben zu übertragen.
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