Schmerzen nach einem Schlaganfall. Wie geht man damit um? Merkmale des Schmerzes nach einem Schlaganfall.
Agnieszka Węgorzewska
Therapieergebnisse
Patienten sprechen über uns

Viele Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, müssen mit sehr starken Schmerzen kämpfen. Schmerzen nach einem Schlaganfall beeinträchtigen den Alltag des Patienten und machen die Rehabilitation mitunter zur Qual.
Im Zusammenhang mit Schlaganfällen gibt es ein breites Spektrum von Schmerzarten, die mit der Schädigung bestimmter Hirnareale verbunden sind. Ein subarachnoidaler hämorrhagischer Schlaganfall entsteht, wenn Blut nach außerhalb des Gehirns austritt. Meist ruft er keine typischen fokalen Symptome wie Paresen oder Sprachstörungen nach einem Schlaganfall hervor, doch es tritt ein außerordentlich starker, plötzlicher Kopfschmerz auf. Dies ist eine Situation, die ein sofortiges medizinisches Eingreifen erfordert, da eine solche Blutung tödlich enden kann.
Eine andere Art von Beschwerden hängt mit den Folgen des Schlaganfalls selbst zusammen. Sowohl ein hämorrhagischer als auch ein ischämischer Schlaganfall kann erhebliche Schmerzen verursachen, wenn das für die Schmerzwahrnehmung zuständige Hirnareal geschädigt wurde. Eine besonders wichtige Struktur ist der Thalamus, durch den die Schmerzimpulse verlaufen. Der Patient kann dann Schmerzen in der gesamten Extremität oder einer Körperhälfte empfinden.
Schmerzen nach einem Schlaganfall. Arten von Schmerzen.
In der Neurophysiologie lässt sich der Schmerz nach einem Schlaganfall in nozizeptiven und neuropathischen Schmerz unterteilen. Diese Unterscheidung hat praktische Bedeutung, denn jeder dieser Mechanismen ruft etwas andere Symptome hervor und reagiert unterschiedlich auf die Behandlung.
Der nozizeptive Schmerz ist eine natürliche Schutzreaktion des Organismus auf eine Gewebeschädigung, zum Beispiel nach einer Verletzung oder Operation. Er klingt bei normaler Heilung in der Regel mit der Zeit ab und spricht recht gut auf die klassische Schmerzbehandlung an.
Der neuropathische Schmerz entsteht dagegen als Folge einer Schädigung des zentralen Nervensystems, also des Gehirns und Rückenmarks, oder des peripheren Nervensystems, also der Nerven. Er ist meist brennend, reißend und tritt spontan auf. Am häufigsten ist er dauerhaft, doch bei einem Teil der Patienten verstärken sich die Symptome zeitweise und nehmen die Form eines stechenden oder brennenden Schmerzes von sehr großer Intensität an.
- Der Schmerz kann bereits durch bloße Berührung oder eine Veränderung der Körperlage ausgelöst werden.
- Auf die Intensität der Beschwerden können Emotionen, Unruhe sowie intensive akustische oder visuelle Reize einwirken.
- Je nach Ort der Schädigung können auch Lähmung, Sprachstörungen, Zittern und Krampfanfälle auftreten.
Der neuropathische Schmerz ist eine Form des chronischen Schmerzes und wird als eigenständiges Krankheitsbild betrachtet. Sein Mechanismus ist nicht vollständig geklärt, weshalb die Behandlung nicht einfach ist. In der Praxis werden häufig Antidepressiva und Antikonvulsiva eingesetzt, da klassische Schmerzmittel oft wenig wirksam sind. Bei einem Teil der Patienten kann auch eine intravenöse Behandlung Linderung bringen, zum Beispiel eine Lidocain-Infusion.
Bei manchen Kranken treten zudem eine Hypästhesie oder andersartige Sensibilitätsstörungen auf. Besonders bei einem ischämischen Schlaganfall können die sensorische Hirnrinde oder die unmittelbar zu ihr führenden Bahnen geschädigt werden. Der Patient empfindet dann eine Taubheit der Extremität oder einer Körperhälfte, und das abgeschwächte Gefühl erhöht das Risiko von Verbrennungen und anderen Verletzungen, da das natürliche Warnsignal fehlt.
Es gibt auch Schmerzen, die erst einige Zeit nach der Erkrankung auftreten. Diese Art von Beschwerden hängt meist mit Kontrakturen zusammen, die bereits einige Wochen nach dem Schlaganfall entstehen, wenn der Patient keine regelmäßige Bewegungsrehabilitation erhält. Zusätzlich können sich sekundäre degenerative Veränderungen in den Gelenken entwickeln, besonders in der Schulter, mit der Bildung von Verkalkungen und einer Bewegungsblockade. In einer solchen Situation wird das Bewegen der Extremität sehr schmerzhaft, doch gerade eine gut geführte umfassende Rehabilitation nach einem Schlaganfall bleibt die Grundlage des Vorgehens.
Die Symptome des neuropathischen Schmerzes haben eine sehr große Bandbreite. Bei einem Teil der Kranken ist es ein dauerhaftes Gefühl von Brennen, Feuer oder Verbrühung. Bei anderen ist der Schmerz plötzlich und durchdringend und erinnert an einen Stromschlag. Die Beschwerden können durch einen Luftzug, den Kontakt mit Kleidung, Wärme oder Kälte ausgelöst werden. Es kommen auch extreme Reaktionen auf einen Schmerzreiz vor, ein Verlust des Gefühls oder eine Ausstrahlung des Schmerzes über das Gebiet des geschädigten Nervs hinaus.
Schmerzempfindungen nach einem Schlaganfall wirken sich auf alle Ebenen des Funktionierens des Kranken aus. Sie mindern die Lebensqualität, erschweren die Rehabilitation, stören den Schlaf und beeinflussen das Verhalten, die familiären Beziehungen und die Fähigkeit zur Konzentration. Der Behandlungserfolg hängt von der richtigen Erkennung der Schmerzart, der passenden Wahl der Therapie sowie von der Haltung des Patienten und der Unterstützung durch nahestehende Menschen ab. Je besser der Mechanismus der Beschwerden verstanden wird, desto leichter lässt sich ein wirksames Vorgehen planen.
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