NormanNORMAN — neurologische Rehabilitation seit 30 Jahren.

Handparese und eingeschränkte Funktion der oberen Extremität bei neurologischen Erkrankungen

Handparese, Schulterschmerzen, Spastik und Sensibilitätsstörungen können nach einem Schlaganfall oder einer Hirnverletzung auftreten sowie bei Multipler Sklerose, der Parkinson-Krankheit, infantiler Zerebralparese und anderen neurologischen Erkrankungen.

Therapieergebnisse

Patienten sprechen über uns

Ursache

Probleme mit der Handfunktion treten am häufigsten nach folgenden Erkrankungen auf:

Lesen Sie weiter über Probleme mit der Handfunktion oder klicken Sie auf eine Erkrankung, um zu den Informationen über den Rehabilitationsaufenthalt zu gelangen.

Neurologische Rehabilitation

Handparese und Funktionsstörungen der oberen Extremität bei neurologischen Erkrankungen

Die Handparese ist eines der häufigsten und belastendsten Symptome neurologischer Erkrankungen. Sie kann nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma, bei multipler Sklerose, infantiler Zerebralparese, Rückenmarksschädigungen sowie bei anderen Erkrankungen des Nervensystems auftreten.

Für Patientinnen, Patienten und Angehörige beginnt das Problem in der Regel sehr konkret: Die Hand lässt sich nicht heben, die Faust ist geballt, die Finger wollen sich nicht öffnen, die Schulter schmerzt bei Bewegung, der Arm „hängt", die betroffene Person kann keine Tasse halten, sich nicht anziehen, keine Knöpfe schließen, das Gesicht nicht waschen, nicht unterschreiben oder sich beim Aufstehen nicht auf die Extremität stützen.

Eine Handparese bedeutet nicht ausschließlich eine Muskelschwäche. Bei neurologischen Patientinnen und Patienten kann das Problem die Bewegungskontrolle, den Muskeltonus, die Sensibilität, die Koordination, den Schmerz, die Schulterstellung, die Schulterblattstabilisierung, die Handfunktion, die Fingerpräzision sowie den Einsatz der Hand bei Alltagstätigkeiten betreffen.

Deshalb sollte sich die Rehabilitation der oberen Extremität nicht ausschließlich auf das passive Bewegen des Arms oder das Trainieren der Kraft beschränken. Ihr Ziel ist die größtmögliche Wiederherstellung der Funktion: Greifen, Zugreifen, Halten, Manipulieren von Gegenständen, das Absichern des Körpers und die Beteiligung der Hand am Alltag.

Parese der oberen Extremität

Was ist eine Handparese?

Eine Handparese bedeutet den teilweisen Verlust der Kraft oder der Bewegungskontrolle der oberen Extremität. Sie kann die Schulter, den Oberarm, den Ellenbogen, den Unterarm, das Handgelenk, die Hand und die Finger betreffen.

Bei einer Person steht das fehlende Anheben des Arms im Vordergrund. Bei einer anderen ist die geballte Faust das Problem. Bei einer weiteren bewegt sich die Hand zwar, ist aber unpräzise, steif, schmerzhaft oder wird in der Praxis nicht genutzt.

Die Parese kann leicht, mittelschwer oder schwer sein. Sie kann die gesamte Extremität oder nur einzelne Funktionen betreffen, zum Beispiel den Griff, das Strecken der Finger, die Unterarmrotation, die Stabilisierung des Handgelenks oder die Schulterkontrolle.

In der Rehabilitation ist nicht nur die Frage wichtig: Bewegt die Patientin oder der Patient die Hand? Wichtiger sind die Fragen: Wird die Hand bei Alltagstätigkeiten eingesetzt, lässt sich die Hand öffnen, bestehen Schulterschmerzen, werden Berührung und Stellung der Extremität wahrgenommen, ist die Hand nicht spastisch, kompensiert die betroffene Person nicht mit einer Rumpfbewegung, wird die Extremität nicht vernachlässigt, bilden sich keine Kontrakturen, kann sicher geübt werden und weiß die Familie, wie sie helfen kann.

Schädigungsmechanismen

Warum funktioniert die Hand nach einer Schädigung des Nervensystems nicht mehr?

Die Handbewegung ist sehr komplex. Damit eine Person nach einer Tasse greifen kann, benötigt sie nicht nur Muskelkraft. Sie muss den Rumpf stabilisieren, das Schulterblatt einstellen, die Schulter kontrollieren, den Ellenbogen strecken, das Handgelenk einstellen, die Finger öffnen, die Greifkraft anpassen und gleichzeitig sensorische Informationen aus der Hand aufnehmen. Eine Schädigung des Nervensystems kann jedes dieser Elemente beeinträchtigen.

Muskelschwäche

Nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer anderen Schädigung der Nervenbahnen kann eine Person nicht in der Lage sein, den Arm aktiv zu heben, den Ellenbogen zu strecken, die Hand zu öffnen oder einen Gegenstand zu halten.

Störungen der Bewegungskontrolle

Eine Person kann eine teilweise erhaltene Kraft haben, aber die Bewegung nicht flüssig, gezielt und genau ausführen. Die Hand bewegt sich verzögert, zu weit, zu steif oder in einem fehlerhaften Bewegungsmuster.

Spastik

Spastik ist ein krankhaft erhöhter Muskeltonus. In der oberen Extremität führt sie häufig zu einer Beugestellung der Hand: Der Ellenbogen ist angezogen, das Handgelenk gebeugt, die Faust geballt und die Finger lassen sich schwer öffnen.

Sensibilitätsstörungen

Eine Person nimmt Hand, Finger, Temperatur, Berührung, Druck oder die Stellung der Extremität möglicherweise nicht gut wahr. Dann funktioniert selbst eine teilweise funktionsfähige Hand nicht richtig, weil das Gehirn keine genaue Rückmeldung erhält.

Schulterschmerzen

Schulterschmerzen nach einer neurologischen Schädigung können die Rehabilitation stark einschränken. Die betroffene Person beginnt, die Extremität zu schonen, meidet Bewegung, spannt die Muskeln an und setzt die Hand immer weniger ein.

Schultersubluxation und Fehlstellungen des Schulterblatts

Nach einer Parese kann die Schulter instabil sein. Der Arm „zieht", der Oberarmkopf kann fehlgestellt sein und das Schulterblatt arbeitet nicht korrekt. Dann wird die Handbewegung schmerzhaft, schwach und ineffektiv.

Vernachlässigung der Extremität

Nach Hirnschädigungen kann eine Person eine Körper- oder Raumhälfte nicht wahrnehmen. Dann liegt das Problem nicht nur in der Kraft. Die betroffene Person setzt die Hand möglicherweise nicht bei Aktivitäten ein, achtet nicht auf ihre Stellung und reagiert nicht auf Gefahren. Die Vernachlässigung hat ihre Ursache in kognitiven Funktionsstörungen, weshalb die Arbeit an Aufmerksamkeit und räumlicher Orientierung hier ebenso wichtig ist wie das Bewegungstraining.

Verfestigte Kompensationen

Wenn eine Person lange nur die gesunde Hand benutzt, lernt der Körper schnell, die betroffene Seite zu umgehen. Das ist verständlich, kann aber ein ungünstiges Muster verfestigen: Die paretische Hand wird nicht mehr eingesetzt, während Rumpf und gesunde Seite den Großteil der Aufgaben übernehmen.

Nach einem Schlaganfall

Handparese nach einem Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall ist eine Parese der oberen Extremität sehr häufig. Sie kann die gesamte Hand oder einzelne Funktionen betreffen: Schulter, Ellenbogen, Handgelenk, Hand und Finger.

Bei vielen Patientinnen und Patienten ist die Hand nach einem Schlaganfall ein größeres Problem als das Bein. Eine Person kann einen sicheren Gang und das Gleichgewicht zurückgewinnen, aber dennoch die Hand nicht zum Essen, Anziehen, für die Körperpflege, zum Schreiben oder zum Abstützen einsetzen können.

Typische Probleme nach einem Schlaganfall sind: ein schlaffer Arm, eine geballte Faust, fehlendes Strecken der Finger, fehlender Griff, Steifigkeit, Schulterschmerzen, eine geschwollene Hand, Sensibilitätsstörungen, Schwierigkeiten beim Heben des Arms, fehlende Kontrolle über das Schulterblatt, das Nichtbenutzen der Hand im Alltag und Angst vor dem Bewegen der Extremität. Wie ausgeprägt das Handdefizit ausfällt, hängt davon ab, welcher Hirnbereich geschädigt wurde.

In der Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist es sehr wichtig, die Hand nicht nur unter dem Aspekt der Kraft zu beurteilen. Manchmal kann eine Person die Finger leicht bewegen, nutzt die Hand aber nicht funktionell. Manchmal kann sie den Arm heben, tut dies jedoch über eine Kompensation mit dem Rumpf. Manchmal bewegt sich die Hand nicht aktiv, erfordert aber eine dringende Arbeit an Schmerz, Stellung, Bewegungsausmaß und der Vorbeugung von Kontrakturen.

Eine gut geführte Rehabilitation sollte die gesamte obere Extremität umfassen und nicht nur die Hand. Die Handbewegung beginnt am Rumpf, am Schulterblatt und an der Schulter. Ohne einen stabilen Rumpf und eine korrekte Kontrolle des Schultergürtels ist eine präzise Arbeit der Hand kaum zu erwarten.

Schlaffe Hand

Schlaffe Hand nach einem Schlaganfall

In der ersten Phase nach einem Schlaganfall kann die Hand schlaff, schwer und ohne aktiven Tonus sein. Die betroffene Person kann sie weder heben noch halten oder sichern. Eine solche Extremität ist besonders anfällig für Schulterschmerzen, Fehlstellungen und Verletzungen beim Umlagern der Patientin oder des Patienten.

In dieser Phase sind sehr wichtig: eine korrekte Lagerung der Hand, der Schutz der Schulter, das Vermeiden von Zug an der Extremität, die Arbeit am Rumpf, die Aktivierung des Schulterblatts, die sensorische Stimulation, das behutsame Einbeziehen von Bewegung sowie die Anleitung der Angehörigen.

Eine schlaffe Hand darf nicht wie „totes Gewicht" behandelt werden. Falsches Anheben, Ruckeln oder Ziehen am Arm kann den Schmerz verstärken und die weitere Rehabilitation erschweren.

Spastik der oberen Extremität

Spastische Hand und geballte Faust

Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten tritt nach einem Schlaganfall oder einer anderen Schädigung des zentralen Nervensystems mit der Zeit eine Spastik auf. Die Hand nimmt zunehmend ein charakteristisches Muster ein: Schulter und Ellenbogen sind angespannt, Unterarm und Handgelenk nehmen eine Fehlstellung ein und die Finger ballen sich zur Faust.

Für die Angehörigen ist häufig die geballte Faust am auffälligsten. Sie erschwert das Waschen, das Schneiden der Nägel, das Anziehen, die Hautpflege und den Einsatz der Hand.

Spastik sollte nicht aggressiv gedehnt werden. Zu heftige Bewegungen können Tonus, Schmerz und Muskelwiderstand erhöhen. Nötig ist eine ruhige, systematische Arbeit an Stellung, Tonuskontrolle, Bewegungsausmaß, Aktivität der antagonistischen Muskeln, Funktion sowie am täglichen Einsatz der Hand.

In manchen Fällen ist zudem eine ärztliche Beratung zur Behandlung der Spastik erforderlich, zum Beispiel zu einer medikamentösen Therapie oder zu Botulinumtoxin. Die Rehabilitation bleibt jedoch weiterhin notwendig, da eine Tonussenkung nicht automatisch die Rückkehr der Funktion bedeutet.

Schulterschmerzen

Schulterschmerzen nach Schlaganfall und Parese

Schulterschmerzen sind eines der wichtigsten Probleme in der Rehabilitation der oberen Extremität. Sie können nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma und bei anderen neurologischen Erkrankungen auftreten, die zu einer Parese führen.

Die Schulter neurologischer Patientinnen und Patienten erfordert Vorsicht, da ihre Stabilität von einer korrekten Arbeit der Muskeln, des Schulterblatts, des Rumpfes und der neuronalen Kontrolle abhängt. Ist die Hand schlaff oder schlecht kontrolliert, kann die Schulter überlastet, fehlgestellt oder subluxiert sein.

Die häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen sind: eine fehlerhafte Lagerung der Hand, Zug an der Extremität beim Umlagern, fehlende Kontrolle des Schulterblatts, eine Subluxation, ein eingeschränktes Bewegungsausmaß, Spastik, Überlastung, eine Entzündung des periartikulären Gewebes, regionaler Schmerz sowie verfestigte Kompensationen.

Schulterschmerzen können die gesamte Handrehabilitation blockieren. Die betroffene Person hört auf, die Extremität zu bewegen, fürchtet sich vor Übungen, spannt den Körper an und schaltet die Hand immer stärker aus den Alltagstätigkeiten aus.

Deshalb muss in der Therapie der oberen Extremität von Anfang an auf Folgendes geachtet werden: eine sichere Lagerung, die Arbeit des Schulterblatts, die Rumpfkontrolle, ein Bewegungsausmaß ohne Schmerzprovokation, eine korrekte Sicherung, die Anleitung der Familie und das Vermeiden von Zug am Arm.

Sensibilitätsstörungen

Sensibilitätsstörungen der Hand

Die Hand kann schwach sein, sie kann aber auch „fremd" wirken. Die betroffene Person nimmt die Hand nicht gut wahr, erkennt Berührungen nicht, weiß ohne hinzusehen nicht, wo sich die Hand befindet, kann die Greifkraft nicht einschätzen oder lässt Gegenstände fallen.

Sensibilitätsstörungen werden häufig unterschätzt, haben aber eine enorme Bedeutung für die Funktion. Eine Hand ohne korrekte Sensibilität arbeitet unpräzise. Eine Person kann einen empfindlichen Gegenstand zerdrücken, eine Tasse fallen lassen, eine Verbrennung nicht bemerken oder die Fingerstellung nicht kontrollieren.

In der Rehabilitation lohnt sich die Arbeit an: sensorischer Stimulation, dem Erkennen von Berührungen, dem Unterscheiden von Oberflächenstrukturen, der Kontrolle der Extremitätenstellung, der visuomotorischen Arbeit, der Belastung der Hand, dem Kontakt der Hand mit einer Unterlage und dem bewussten Einbeziehen der Hand in Aufgaben.

Es geht nicht nur um das „Bewegen der Hand". Das Gehirn muss erneut lernen, Informationen aus der Extremität aufzunehmen und zu nutzen.

Koordination und Präzision

Koordinations- und Präzisionsstörungen der Hand

Nicht jede Person mit einem Handproblem hat eine typische Parese. Manchmal ist die Kraft teilweise erhalten, aber die Bewegung ist ungeschickt, verzögert, zittrig oder unpräzise.

Dies geschieht unter anderem bei Ataxie, multipler Sklerose, Parkinson-Krankheit, nach Schädel-Hirn-Traumata und bei manchen Schlaganfällen.

Eine Person kann Schwierigkeiten haben mit: Schreiben, dem Umgang mit Besteck, dem Schließen von Knöpfen, dem Halten des Telefons, dem Umdrehen eines Schlüssels, dem Eingießen von Wasser, dem Umgang mit kleinen Gegenständen, dem Zähneputzen, dem Rasieren, dem Kämmen oder der Bedienung von Haushaltsgeräten.

Die Rehabilitation sollte sich dann auf Bewegungskontrolle, Stabilisierung, Tempo, Präzision, manuelle Aufgaben und die Funktion in Alltagssituationen konzentrieren.

Multiple Sklerose

Die obere Extremität bei multipler Sklerose

Bei multipler Sklerose wird viel über das Gehen gesprochen, doch auch Hand und Finger können erheblich beeinträchtigt sein. Eine Person kann eine Schwäche, ein Zittern, Sensibilitätsstörungen, eine verschlechterte Präzision, eine Ermüdung der Hand und Schwierigkeiten bei manuellen Tätigkeiten aufweisen.

Typische Probleme sind: langsameres Schreiben, das Fallenlassen von Gegenständen, Schwierigkeiten beim Schließen von Kleidung, ein schwächerer Griff, Intentionstremor, ein schnelles Ermüden der Hand, Probleme bei der Arbeit am Computer und eine verringerte Selbstständigkeit bei den Tätigkeiten des täglichen Lebens.

Bei MS ist eine individuelle Dosierung der Therapie wichtig. Nicht jede Person sollte gleich intensiv üben. Zu berücksichtigen sind Ermüdung, Temperatur, der aktuelle neurologische Zustand, ein Krankheitsschub, die Regeneration und die funktionellen Möglichkeiten.

Ziel der Handtherapie bei MS kann eine Verbesserung der Funktionsfähigkeit, der Erhalt der Funktion, das Erlernen des Energiesparens, eine bessere Organisation von Tätigkeiten und die Vorbeugung eines weiteren Verlusts an Selbstständigkeit sein.

Parkinson-Krankheit

Handfunktion bei der Parkinson-Krankheit

Bei der Parkinson-Krankheit ist das Handproblem in der Regel keine klassische Parese. Häufiger handelt es sich um eine Bewegungsverlangsamung, Steifigkeit, Zittern, eine verminderte Präzision und Schwierigkeiten beim Automatisieren von Tätigkeiten.

Eine Person schreibt möglicherweise mit immer kleinerer Schrift, schließt Knöpfe langsamer, hat Schwierigkeiten beim Schneiden von Essen, beim Drehen von Gegenständen in der Hand, beim Waschen, Rasieren, Anziehen oder bei der Bedienung des Telefons.

Die Rehabilitation sollte Übungen zur Handfunktion, zur Koordination, zum Rhythmus, zum Bewegungsausmaß, zur funktionellen Kraft, zur beidhändigen Arbeit und zu den Tätigkeiten des täglichen Lebens umfassen.

Bei Parkinson sind zudem Strategien wichtig, die den Bewegungsbeginn erleichtern, die Arbeit an der Bewegungsamplitude sowie die Regelmäßigkeit der Übungen.

Schädel-Hirn-Trauma

Die obere Extremität nach einem Schädel-Hirn-Trauma

Nach einem Schädel-Hirn-Trauma können Funktionsstörungen der Hand unterschiedlicher Art sein. Sie können durch eine Parese, Spastik, Ataxie, Sensibilitätsstörungen, Probleme bei der Bewegungsplanung, Aufmerksamkeitsstörungen, Impulsivität oder kognitive Probleme bedingt sein.

Eine Person nach einem Schädel-Hirn-Trauma kann Kraft in der Hand haben, sie aber nicht wirksam einsetzen. Sie führt eine Bewegung möglicherweise zu heftig, unpräzise oder ohne Kontrolle aus. Sie kann auch ihre Einschränkungen nicht wahrnehmen und riskante Versuche selbstständiger Tätigkeiten unternehmen.

Die Rehabilitation sollte die Arbeit an Bewegung, Sensibilität, Koordination, Sicherheit, Verhaltenskontrolle und der Funktion im Alltag verbinden.

Infantile Zerebralparese

Die obere Extremität bei infantiler Zerebralparese

Bei infantiler Zerebralparese können die Handstörungen eine oder beide Extremitäten betreffen. Das Kind kann Schwierigkeiten beim Öffnen der Hand, beim Greifen, beim Abstützen, beim Manipulieren von Gegenständen, beim Essen, Anziehen, Schreiben oder Spielen haben.

Es ist sehr wichtig, dass sich die Therapie nicht ausschließlich auf das „Dehnen" der Hand konzentriert. Das Kind benötigt eine funktionelle Arbeit am Einsatz der Extremität in realen Tätigkeiten.

Bei Kindern mit einer einseitigen Parese ist auch das Einbeziehen der schwächeren Hand in beidhändige Aktivitäten wichtig. Im Alltag arbeiten die Hände selten völlig getrennt. Eine Hand stabilisiert, die andere manipuliert. Deshalb sollte die Therapie das Zusammenwirken beider Hände schulen.

Handrehabilitation

Wie sieht die neurologische Handrehabilitation aus?

Die Rehabilitation der oberen Extremität sollte mit einer genauen Untersuchung beginnen. Es genügt nicht zu prüfen, ob eine Person „den Arm hebt".

Zu beurteilen sind: die Rumpfkontrolle, die Stellung des Schulterblatts, die Schulterbewegung, das Bewegungsausmaß, der Schmerz, der Muskeltonus, die Aktivität von Ellenbogen, Handgelenk und Fingern, die Sensibilität, die Koordination, der Griff, die Möglichkeit, die Hand zu öffnen, der Einsatz der Hand bei Alltagstätigkeiten, die Kompensationen, das Risiko von Kontrakturen sowie die Ziele der Patientin oder des Patienten.

Erst dann lässt sich die Therapie auswählen.

Therapiemethoden

Methoden der Rehabilitation der oberen Extremität

Die Auswahl der Methoden richtet sich nach der klinischen Beurteilung, dem Therapieziel und dem aktuellen Zustand der Patientin oder des Patienten.

NDT/Bobath

Das NDT/Bobath-Konzept konzentriert sich auf die Bewegungsqualität, die posturale Kontrolle, die Normalisierung des Tonus und die Stellung von Rumpf, Schulterblatt und Extremität. Die Therapeutin oder der Therapeut arbeitet daran, dass die Patientin oder der Patient den Rumpf besser stabilisiert, die Schulter einstellt, die Extremität auf die Bewegung vorbereitet und die Hand in einer Aufgabe einsetzt – es wird nicht die Hand allein, losgelöst vom übrigen Körper, geübt.

PNF

PNF kann zur Arbeit an Bewegungsmustern, zur Muskelaktivierung, zur Koordination, zur Stabilisierung und zur Kontrolle der Extremität eingesetzt werden. Am sinnvollsten ist es dann, wenn es mit einem funktionellen Ziel verbunden wird: der Verbesserung einer konkreten Tätigkeit, die die Person im Leben benötigt.

Manuelle Therapie

Die manuelle Therapie kann bei eingeschränktem Bewegungsausmaß, Schmerz, Fehlstellung der Schulter, Gewebespannung sowie Einschränkungen des Schulterblatts, des Handgelenks oder der Finger hilfreich sein. Bei der neurologischen Hand muss vorsichtig gearbeitet werden – das gilt besonders für die Schulter nach einem Schlaganfall, die schlaffe Hand und die spastische Faust.

Aufgabenorientierte Therapie

Eine Person gewinnt die Funktion nicht allein durch das Ausführen von Bewegungen in der Luft zurück. Sie muss lernen, die Hand bei Tätigkeiten einzusetzen: beim Greifen, Zugreifen, Tragen, beim Umgang mit Besteck, Tasse, Handtuch, Zahnbürste, Telefon und Kleidungsstücken. Die Übung sollte einen funktionellen Sinn haben.

Arbeit an Hand und Fingern

Die Hand ist der am schwierigsten zu rehabilitierende Teil der oberen Extremität. In der Therapie sind wichtig: das Öffnen der Hand, die Daumenkontrolle, die Stellung des Handgelenks, der Zylindergriff, der Pinzettengriff und der Schlüsselgriff, die Manipulation von Gegenständen, das Lockern der geballten Hand, die Handhygiene und die Vorbeugung von Kontrakturen.

Arbeit an der Sensibilität

Wenn eine Person die Hand nicht spürt, kann die Bewegungstherapie weniger wirksam sein. Es lohnt sich, die motorische Arbeit mit der Sensibilitätsstimulation zu verbinden: mit Berührung, dem Erkennen von Oberflächenstrukturen, der Lokalisierung eines Reizes, der Tiefensensibilität, der Belastung der Hand und der bewussten Stellung der Extremität.

Beidhändigkeit

Viele Alltagstätigkeiten erfordern zwei Hände. Selbst wenn eine Hand die Hauptarbeit leistet, stabilisiert, hält oder stützt die andere den Körper. Die Rehabilitation sollte der Person beibringen, die schwächere Hand in den Alltag einzubeziehen – als Hilfshand.

Gesunde Hand und Kompensation

Lohnt es sich, die gesunde Hand zu trainieren?

Die gesunde Hand wird gebraucht, denn die Person muss funktionieren. Das Problem beginnt dann, wenn das gesamte Alltagsleben ausschließlich auf die gesunde Seite verlagert wird und die paretische Hand keinerlei Chance auf eine Beteiligung an Tätigkeiten erhält.

Es geht nicht darum, bei jeder Person die gesunde Hand mit Gewalt zu blockieren. Es geht um ein kluges, schrittweises Einbeziehen der betroffenen Hand dort, wo es möglich und sicher ist. Dieses Phänomen beschreiben wir ausführlicher im Text über die Problematik der ungewollten Hand nach einem Schlaganfall.

Bei ausgewählten Patientinnen und Patienten kommen Formen der Therapie des erzwungenen Gebrauchs der Extremität zum Einsatz, doch ist dies keine Methode für jede Person. Die betroffene Person muss über ein ausreichendes Maß an aktiver Bewegung, Sicherheit und Kontrolle verfügen.

Unterstützende Geräte

Sind Geräte wie Pablo und Tymo sinnvoll?

Geräte mit Biofeedback, wie Systeme zum Training der oberen Extremität, können eine hilfreiche Ergänzung der Therapie sein. Sie können die Bewegungskontrolle erleichtern, die Person motivieren, das Übungsergebnis anzeigen und die Zahl der Wiederholungen erhöhen.

Sie sollten jedoch nicht die individuelle neurologische Rehabilitation ersetzen.

Die Grundlage bleibt die Arbeit der Therapeutin oder des Therapeuten: die Beurteilung, die Auswahl der Übungen, die Kontrolle der Bewegungsqualität, die Arbeit an Tonus, Schulter, Hand, Sensibilität, Kompensationen und der Funktion im Alltag. Ein Gerät kann die Therapie unterstützen, löst aber das Problem der Handparese nicht allein.

Prognose

Kann die Hand ihre Funktionsfähigkeit zurückgewinnen?

Das hängt von der Ursache, dem Ausmaß der Schädigung, der Zeit seit der Erkrankung, dem Alter, den Begleiterkrankungen, dem Grad der Parese, der Sensibilität, dem Muskeltonus, dem Schmerz, der Intensität der Therapie und dem täglichen Einsatz der Hand ab.

Nach einem Schlaganfall ist die Besserung häufig in den ersten Monaten am schnellsten, doch kann die Rehabilitation auch später sinnvoll sein. Besonders dann, wenn eine Person eine teilweise erhaltene Bewegung hat, die Hand aber nicht funktionell nutzt, Schmerzen, Spastik, Einschränkungen des Bewegungsausmaßes oder verfestigte Kompensationen aufweist. Der Frage nach dem realistischen Zeitrahmen haben wir einen eigenen Artikel gewidmet: wann die Handfunktion nach einem Schlaganfall zurückkehrt.

Bei chronischen und fortschreitenden Erkrankungen wie MS oder Parkinson kann das Ziel eine Verbesserung der Funktion, der Erhalt der Funktionsfähigkeit, die Verringerung von Einschränkungen, eine bessere Bewegungsorganisation und die Verlängerung der Selbstständigkeit sein.

Nicht jede Person gewinnt die volle Handfunktion zurück. Doch selbst eine teilweise Besserung kann den Alltag erheblich verändern: leichteres Essen, Anziehen, Körperpflege, Transfers, Abstützen, mehr Unabhängigkeit und eine geringere Belastung der Betreuerin oder des Betreuers.

Indikationen für eine intensive Rehabilitation

Wann ist eine intensive Handrehabilitation nötig?

Eine intensive Rehabilitation ist zu erwägen, wenn: die Hand nach einem Schlaganfall ihre Funktion nicht zurückgewinnt, die Faust geballt ist, Schulterschmerzen auftreten, eine Person die Hand nicht bei Alltagstätigkeiten einsetzt, die Spastik zunimmt, Kontrakturen bestehen, die Hand geschwollen ist, Sensibilitätsstörungen vorliegen, sich die Hand nicht öffnen lässt, Schwierigkeiten bei Körperpflege, Anziehen, Essen und Abstützen bestehen oder sich die Handfunktion trotz häuslicher Übungen verschlechtert.

Es ist wichtig, nicht zu warten, bis die Hand vollständig versteift und die Schulterschmerzen chronisch werden. Je früher das Problem beurteilt und die Therapie ausgewählt wird, desto leichter lassen sich Komplikationen vorbeugen. Es lohnt sich außerdem, die Therapiedauer realistisch zu planen und dazu den Artikel darüber heranzuziehen, wie lange die Rehabilitation nach einem Schlaganfall dauert.

Was zu vermeiden ist

Was man mit einer paretischen Hand nicht tun sollte

  • Die Patientin oder den Patienten beim Aufstehen nicht an der betroffenen Hand ziehen.
  • Die Extremität nicht ruckartig über die Schmerzgrenze hinaus anheben.
  • Die geballte Hand nicht mit Gewalt dehnen.
  • Schulterschmerzen nicht ignorieren.
  • Die Hand nicht ohne Abstützung herunterhängen lassen, wenn die Person sie nicht kontrolliert.
  • Nicht ausschließlich die gesunde Seite trainieren.
  • Nicht annehmen, dass sich nichts machen lässt, nur weil die Hand „sich nicht bewegt".
  • Keine beliebigen Übungen aus dem Internet ohne Beurteilung der Person kopieren.
  • Die Hand nicht getrennt von Schulter, Schulterblatt und Rumpf betrachten.

Für Familie und Betreuende

Die Rolle der Familie in der Handrehabilitation

Die Familie hat eine enorme Bedeutung, sollte aber eine klare Anleitung erhalten. Betreuende sollten wissen, wie sie die Hand lagern, wie sie beim Aufstehen helfen, woran sie nicht ziehen dürfen, wie sie die Schulter schützen, wie sie die Hand für die Körperpflege öffnen, wie sie die Hand in einfache Tätigkeiten einbeziehen und wann sie eine Übung abbrechen.

Gute Hilfe besteht nicht darin, alles für die betroffene Person zu erledigen. Gute Hilfe bedeutet, Bedingungen zu schaffen, unter denen die Person die betroffene Hand so sicher einsetzen kann, wie es ihr Zustand zulässt.

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Kann sich eine Handparese nach einem Schlaganfall zurückbilden?

Sie kann sich verringern, doch das Ausmaß der Besserung hängt vom Grad der Schädigung des Nervensystems, der Zeit seit dem Schlaganfall, der Sensibilität, dem Muskeltonus, dem Schmerz, der Intensität der Therapie und dem täglichen Einsatz der Hand ab.

Warum kehrt das Bein schneller zurück als die Hand?

Die Hand erfordert eine sehr präzise Kontrolle. Der Gang lässt sich teilweise mit dem anderen Bein, dem Rumpf oder mithilfe von Hilfsmitteln kompensieren. Hand und Finger erfordern eine genauere Arbeit von Gehirn, Sensibilität und Koordination.

Ist eine geballte Faust nach einem Schlaganfall eine Spastik?

Häufig ja, aber nicht immer. Das Ballen der Faust kann durch Spastik, Schmerz, eine Kontraktur, eine Abwehr gegen Bewegung oder ein fehlerhaftes Tonusmuster bedingt sein. Es erfordert eine therapeutische und ärztliche Beurteilung.

Darf man geballte Finger dehnen?

Man kann am Bewegungsausmaß arbeiten, sollte dies aber nicht aggressiv tun. Heftiges Dehnen kann Tonus und Schmerz erhöhen. Wichtig sind eine ruhige, systematische Arbeit sowie eine korrekte Lagerung der Hand.

Warum schmerzt die Schulter nach einem Schlaganfall?

Schulterschmerzen können durch eine Parese, eine Subluxation, eine schlechte Arbeit des Schulterblatts, eine Fehllagerung, Spastik, Überlastung, ein eingeschränktes Bewegungsausmaß oder eine Verletzung beim Umlagern der Person entstehen.

Darf man die Person an der betroffenen Hand ziehen?

Nein. Das Ziehen an der paretischen Hand kann die Schulter schädigen, den Schmerz verstärken und die Rehabilitation erschweren.

Hilft die manuelle Therapie bei der Hand nach einem Schlaganfall?

Sie kann als Bestandteil der Therapie hilfreich sein, besonders bei Schmerz, Bewegungseinschränkung, Gewebespannung und Schulterproblemen. Sie ersetzt jedoch nicht die funktionelle Rehabilitation.

Sind NDT/Bobath oder PNF bei einer Handparese sinnvoll?

Sie können wertvolle Bestandteile der neurologischen Rehabilitation sein, wenn sie funktionell durchgeführt und an die Person angepasst werden. Am wichtigsten ist nicht das bloße Schlagwort der Methode, sondern die Qualität der Beurteilung, die Auswahl der Therapie und die Übertragung der Ergebnisse auf Alltagstätigkeiten.

Genügen Übungen mit einem Bällchen?

In der Regel nicht. Das Zusammendrücken eines Bällchens kann bei einem Teil der Patientinnen und Patienten das Beugemuster der Hand verfestigen und den Tonus erhöhen. Die Hand erfordert eine Arbeit am Öffnen, an der Sensibilität, an der Handgelenkkontrolle, an Schulter, Schulterblatt und Funktion.

Wann sollte man sich zur Rehabilitation vorstellen?

So früh wie möglich nach dem Auftreten von Parese, Schmerz, Spastik, Funktionsverlust oder Problemen mit der Hand. Es lohnt sich auch, sich später vorzustellen, wenn die Hand nicht eingesetzt wird, schmerzt, versteift oder die Selbstständigkeit einschränkt.

Zusammenfassung

Handparese – eine Rehabilitation ist möglich

Die Handparese und Funktionsstörungen der oberen Extremität bei neurologischen Erkrankungen sind nicht nur ein Problem der Muskelkraft. Es handelt sich um eine komplexe Störung von Bewegungskontrolle, Tonus, Sensibilität, Koordination, Schmerz, Schulterstellung, Handfunktion und dem Einsatz der Hand im Alltag.

Deshalb sollte die Rehabilitation individuell, sicher und funktionell sein. Sie sollte Rumpf, Schulterblatt, Schulter, Ellenbogen, Handgelenk, Hand, Finger, Sensibilität, Muskeltonus und die konkreten Tätigkeiten umfassen, die die Person benötigt.

Bei Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma, mit MS, Parkinson, Zerebralparese und anderen neurologischen Erkrankungen besteht das Ziel der Therapie nicht allein darin, eine Bewegung im Therapieraum auszuführen. Das Ziel ist, dass die Hand in größtmöglichem Umfang in das Leben der Person zurückkehrt.

Der nächste Schritt

Sprechen Sie mit uns

Wir stehen Ihnen bei allen Fragen zum Rehabilitationsprozess gern zur Verfügung.

Beschreiben Sie Ihren Fall

Senden Sie uns Einzelheiten zum Gesundheitszustand, und wir beurteilen die Situation aus therapeutischer Sicht.

Beratung per E-Mail

Schreiben Sie uns und beschreiben Sie die Erkrankung sowie den aktuellen Gesundheitszustand. Wir teilen Ihnen mit, wie wir Ihre Situation im Hinblick auf die Rehabilitation einschätzen.

Video des Patienten

Sie können uns ein Video senden, das den Gesundheitszustand des Patienten zeigt. Wir gehen auf Ihre aktuelle Situation ein und erläutern die therapeutischen Möglichkeiten.